Spannender Vortrag über Drohnenkriege
In einem spannenden Vortrag informierte Norbert Schepers, Rosa-Luxemburg-Stiftung Bremen, über Drohnenkriege, ihre Geschichte und ihre Zukunft.
Stichworte aus seinem Vortrag: Dem Begriff der Drohnenkriege ging ein Orwellscher Sprachveränderung voraus. In den USA hieß es fortan nur noch Overseas Contingency Operations (OCO).
Der „Trend“ geht zu automatisierter Kriegführung.
Seit den 90er-Jahren Drohnen als Überwachung. Schon im ersten Weltkrieg im Einsatz z.B. durch fest verdrahtete Doppeldecker, die ins Ziel gesteuert wurden. Späterer Einsatz insbesondere in sogenannten asymmetrischen Konfrontationen. Der entscheidende Faktor für den Einsatz von Drohnen war die Minimierung von militärischen Verlusten.
Ausstattung der Unmanned Aircraft Vehicles (UAV) oder Unmanned Aircraft Systems (UAS): Aufklärung durch optische Erfassungen, aber auch Datenerfassung. „Über Pakistan und Afghanistan werden in bestimmten Hotspots sämtliche Handydaten aufgesaugt und ausgewertet.“
Zum Ende der Bush-Ära massiver Anstieg der Drohneneinsätze. Obama steigert den Einsatz noch, um Kontrolle zu sichern, ohne militärische Opfer zu riskieren.
Drohnen sind im originären Sinne Aufklärungssysteme. Qualitativ neu ist der Einsatz als bewaffnetes System.
Dabei ergeben sich insbesondere völkerrechtliche Fragen und Widersprüche zu den Genfer Konventionen: z.B. kann sich bei einem Angriff durch eine bewaffnete Drohne niemand ergeben und niemand kann gefangen genommen werden, weil der Angriff auf gezielte Tötung hin erfolgt.
Weitere Themen des Vortrags:
Inzwischen selbst fliegende Stealth-Drohnen zur Spionage, sich sich autonom steuern. In künftigen Kriegen werden die ersten Wellen per Roboterbomber geführt. Wie bei dieser Art von robotergeführten Kriegen völkerrechtliche Normen Gültgkeit behalten können ist unklar. Die Genfer Konventionen können nicht in Algorhythmen übersetzt werden.
Forderung der Militärforscher nach höheren Rechnerleistungen innerhalb der Drohnen selber.
Es gibt weltweit vier Zentren zur Überwachung der Drohneneinsätze. In Deutschland ist es Ramstein.
40 bis 50 Staaten verfügen heute über Kenntnisse im Drohnenbau bzw. haben sie im Besitz.
Fällt Töten per Joy Stick leichter? Schepers berichtet über „Joy Stick Stress“. Es gibt einen Mangel an Drohnenpiloten. „Entlastung“ bei den Kommandierenden, die ohne Verluste Krieg führen können, nicht bei den „Piloten“, die die Drohen steuern.
In einem Filmausschnitt wird über gezielte Tötungen durch ferngesteuerte bewaffnete Drohen berichtet: 3300 Opfer, davon 176 Kinder. Drohnenangriffe sollen präzise sein, sind sie aber faktisch nicht. Den Angriffen gehen tagelange Überwachungen voraus. Psychologische Kriegsführung gegen Zivilbevölkerung. „USA terrorisieren die Bevölkerung“, heißt es über den Einsatz im Nordwesten Pakistans. Die Ergebnisse einer Studie über das „Leben unter Drohnen“, veröffentlicht auf der Homepage Livingunderdrones.org
Unbemannte Einsätze werden zum Hauptbestandteil gegenwärtiger Kriege.
Grundlage der „Drohnenmorde“ ist die Kriegserklärung nicht gegen einen Staat, sondern gegen Terrorverdächtigte. „Capture or kill“ ist der Auftrag, der zunächst durch Einheiten auf dem Boden ausgeführt worden sind. Die Liste von auszuschaltenden vermeintlichen Drahtziehern wurden immer länger und brachten die Technisierung mit sich.
Enger Zusammenhang zwischen globaler Überwachung und Targeting Killing. Handydaten zur Zielerkennung.
Informationen zum Vortrag von Norbert Schepers auch unter: norbert.schepers.info

