Zum Hauptinhalt springen

9. Für ein jugendfreundliches Niedersachsen

Das Leben junger Menschen wird durch Sozialabbau, schwindende nichtkommerzielle Freizeitangebote und steigenden Leistungsdruck erheblich belastet. Ihre Chancen auf bestmögliche Bildungs- und Entwicklungschancen sind zunehmend von der finanziellen Situation der Eltern abhängig. Mit der Einführung von Hartz IV ist die Armut von Kindern und Jugendlichen auf Rekordniveau angestiegen. In Niedersachsen waren im Dezember 2011 rund 160.000 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren auf Hartz IV/Sozialgeld angewiesen – das ist jeder siebte in der betroffenen Altersgruppe. Bei den Jugendlichen im Alter von 16 bis 24 Jahren sitzt sogar jeder vierte in der Armutsfalle. Deshalb muss auch die Bekämpfung von Armut im Zentrum einer präventiven Kinder- und Jugendpolitik stehen. 

In der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit gibt es eine besorgniserregende Entwicklung. Bundesweit wurden in den letzten Jahren rund 10.000 Stellen gestrichen. In Niedersachsen haben sich die Rahmenbedingungen kontinuierlich verschlechtert.

Die Angebote für eine offene Jugendarbeit in der Fläche sind verschwindend gering, weil sie als so genannte freiwillige Leistung von den Kommunen bezahlt werden müssen. So fehlen dort außerhalb des bewundernswerten freiwilligen Engagements in Feuerwehr, Kirche und Sportverein Orte, die Jugendliche aufsuchen können, die sich nicht in den traditionellen Strukturen wiederfinden wollen.

Sowohl unter der amtierenden CDU/FDP-Landesregierung als auch unter den SPD und SPD/Grünen-Vorgängerregierungen sind die Ausgaben für die Jugendarbeit rückläufig. Weniger Maßnahmen der Jugendarbeit wie Freizeiten, Seminare und internationale Jugendbegegnungen wurden gefördert, die Zahl hauptamtlich Beschäftigter und die Unterstützung für freie Träger der Jugendarbeit ist gesunken. Zudem leiden die Jugendverbände und das freiwillige Engagement Jugendlicher unter der Verkürzung der Schulzeit und der Umstellung auf das Bachelor/Master-System an den Hochschulen.

DIE LINKE setzt sich ein für:

  • eine stärkere Beteiligung junger Menschen an politischen Prozessen und Entscheidungen, insbesondere durch eine weitere Absenkung des Wahlalters, in einem ersten Schritt auf 16 Jahre bei Landtags- und 14 Jahre bei Kommunalwahlen,
  • eine stärkere institutionelle Förderung der TrägerInnen der außerschulischen Jugend- und Jugendverbandsarbeit; die gezielte Förderung von Projekten ist ein wichtiges ergänzendes Instrument, darf jedoch die institutionelle Förderung weder schwächen noch ersetzen,
  • die Förderung offener Jugendarbeit in den Kommunen, und zwar auch durch eine anteilige Landesfinanzierung von qualifiziertem Personal,
  • die Zahl hauptamtlich Beschäftigter in der Jugendarbeit wieder zu erhöhen, auch um damit ehrenamtliches Engagement in Jugendverbänden zu unterstützen und von administrativen und bürokratischen Ballast zu befreien,
  • die Stärkung der Jugendsozialarbeit und die gezielte Förderung von Programmen und Modellprojekten für besonders benachteiligte Jugendliche (etwa bei Armut, Obdachlosigkeit, Drogenmissbrauch und beim Übergang von Schule zu Beruf),
  • die gezielte Ansprache und Förderung ausgegrenzter Jugendlicher mit Migrationshintergrund durch integrative Angebote,
  • die Wiederherstellung einer kompetenten Fachberatung in einem neuen Landesjugendamt, das auch Kommunen und freie Träger bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen unterstützen soll.
Zurück zum Kopf der Seite