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Nachrichten aus dem Landkreis Osterholz


Birgit Wiechmann

Schiedsrichterinnen und Männerphantasien

Die Fakten zum Thema sind hinlänglich bekannt – deshalb werde ich mich einmal persönlich äußern. Seit über 100 Jahren gibt es die Frauenbewegung, aber zwischen gesetzlich verankerten Rechten und gelebter Wirklichkeit liegen immer noch Welten.

In den 60er Jahren bin ich in einer klassischen, fußballabstinenten „Rama-Familie“ aufgewachsen, und es brauchte fast 20 Jahre, bis mir die Ausmaße der Benachteiligung von Frauen richtig bewusst wurden und ich eigene Rollenbilder nachhaltig reflektierte.

Ein unvergessliches Erlebnis aus dieser Zeit, Ende der 70er, ist ein Fußballspiel Werder Bremen gegen Borussia Dortmund im größten Stadion Deutschlands. Das Gegröle von fünfzigtausend Männern und Fahnen von Rasierwasser und Bier haben mir den Spaß gründlich verdorben, ich fühlte mich eingeschüchtert und bedroht. Auf dem Platz war ein Mann of Colour, den sie ausgepfiffen haben. In meiner Kurve war ich die einzige Frau.

Und noch heute, nach so langer Zeit, muss ich mich wundern, welch einen Aufschrei es gibt, wenn wie in Norwegen eine Frau die Nationalelf der Männer trainiert.

Oder wenn in der deutschen Bundesliga Frauen die Spiele pfeifen – von 2017 bis 2020 war Steinhaus, eine Polizeihauptkommissarin aus Niedersachsen, im deutschen Kader von 45 Unparteiischen die einzige Frau, jetzt gibt es noch 2 in der 3. Liga. Sie müssen besser sein als ihre männlichen Kollegen und sind trotzdem bösen Anfeindungen ausgesetzt.

Woher kommen Misstrauen und Aggression?

Wie kann es sein, dass nach mühseliger, auch wissenschaftlicher Aufklärungsarbeit immer noch über  Menschenrechte von Frauen debattiert wird (z.B. im Deutschen Bundestag Februar und März 2021)???

Seit 1946 beschäftigen sich die Vereinten Nationen mit der Beseitigung der Diskriminierung von Frauen. Als rechtliche Grundlage für die Gleichstellungsarbeit haben bis heute 189 Vertragsstaaten die Frauenrechtskonvention ratifiziert (USA noch nicht!), das bedeutet: Weltweit haben diese Staaten sich verpflichtet, die Rechtsgleichheit von Frauen und Männern sicherzustellen. 

Im August 2006 ist in Deutschland das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in Kraft getreten, das die Benachteiligung nach Geschlecht, Herkunft, Religionszugehörigkeit, sexueller Identität und bei körperlichen Einschränkungen verbietet. 

Trotz all diesen Anstrengungen hat sich die Lage für Frauen nur wenig verbessert, sie arbeiten zu Millionen im Billiglohnsektor, erledigen Care-Arbeit zum 0-Tarif und sind in Führungspositionen kaum zu finden. Die Gewalt, die sie erfahren, hat nicht abgenommen. Auch in sozialistischen Staaten hat sich das Frauenbild nicht großartig verändert.

Als ich mich in den 80ern intensiv mit dem 3. Reich beschäftigte, habe ich das Werk von Klaus Theweleit, „Männerphantasien“ (1977) gelesen. Damals ging es um den Typ Mann, der den Faschismus ermöglichte. Kurz: Theweleit begründet bestimmte Formen männlicher Gewalt mit Angst. Angst vor dem Fremden, Angst wegen des Selbstwertes und Angst vor dem eigenen Ich. Dieser Typ Mann versucht, Probleme mit Gewalt zu lösen, er kämpft gegen das Außen. Er braucht hierarchische Strukturen, ist somit antidemokratisch und behauptet, das „natürliche System“ wieder herzustellen, wobei der Mann „oben“ steht.

Im letzten Jahr wurde das Buch neu aufgelegt. In Zeiten des Trumpismus wurde ich hellhörig und siehe da: Theweleit hat sein Werk um ein umfängliches Nachwort ergänzt und u.a. die Angst vor dem „Genderwahn“ und die Angst vor dem Feminismus hinzugefügt.

Dieses Dauerproblem haben wir in allen Gesellschaftsbereichen, in Betrieben wie im Privatleben. Und dass Frauen in allen Zeiten dabei mitmachen, Verbrechen zu begehen, und ihren Platz dann immer „unter“ den Männern einnehmen, ist bekannt. Sie sind auf eine andere Art gewalttätig und haben ihre Rollenzuweisung inhaliert.

Aber:

Der antisemitische und rassistische Attentäter von Halle, Stephan B., sagte, bevor er mordete: „Feminismus ist Schuld an der sinkenden Geburtenrate im Westen, die die Ursache für die Massenimmigration ist.“ Auch für den Norweger Anders Breivik und den Christchurch-Attentäter Brenton Tarrant bedrohte der Feminismus die Reproduktion der „weißen Rasse“.

Und da ist ja auch noch die AFD, die Frauenquoten ablehnt und eine „Bestenauslese“ fordert. Abtreibung gehöre verboten, Gleichstellung sei „Radikalfeminismus“ (01.März 2021 im Bundestag). Biodeutsche Frauen sollen gebären!! Alles Fremde soll weg!!

Glücklicherweise gibt es die vielen Andersdenkenden! Und wir machen weiter, wir wollen keine Rache, sondern gelebte Gleichberechtigung! Also keine Angst!

Selbst die CDU hat mit der Frauenquote einen verhältnismäßig großen Schritt gemacht, auch wenn eine Osterholz-Scharmbecker CDU-Ratsfrau aus Garlstedt es noch nicht kapiert hat und sich dagegen wehrt. Dass seit 2016 in Niedersachsen über 50 Städte und Gemeinden nur mit Männern im Rat vertreten sind, findet sie verständlich („natürliches System“?), weil Frauen für ihre Teilhabe „niedrigschwellige“ Angebote benötigen…Hier auf dem Lande ist es als Frau wohl etwas schwieriger, wie ich feststellen musste. Die Rollenzuweisungen sind verhärtet, oft bestimmt der (Ehe-)Mann.

Aber die jungen Menschen hier machen mir Mut: Die Fridays for Future OHZ, denen die Gender-Sprache beneidenswert leicht über die Lippen geht und denen AGG-Regeln selbstverständlich sind.

Oder die jungen Linken, die /Sein – Bewusstsein – Wer bestimmt?/ nicht lange theoretisieren müssen, sondern zielorientiert handeln.

Die jungen Leute haben mich auf das Diskriminierungspotenzial durch die Medien und von Algorithmen hingewiesen. Sexuelle Übergriffe im Netz werden noch nicht geahndet. Computerprogramme bei z.B. der Gesichtserkennung sind auf weiße, junge Männer spezifiziert. Ein Auszug der Diskriminierungsstelle des Bundes sagt weiterhin: „Thematisiert werden beispielsweise Algorithmen des Risikomanagements, welche das Kreditausfallrisiko, die Leistungsfähigkeit von Bewerbenden, das Mietausfallrisiko oder das Rückfallrisiko von Straftatsbegehenden ermitteln und so zur Differenzierung von Personen verwendet werden. Aber auch Algorithmen zur zielgerichteten Werbung, der individuellen Entgeltgestaltung, der Kundenpflege oder deren Verwendung beim so genannten „De-Marketing“ können, wie die in der Studie vorgestellten Beispiele zeigen, Diskriminierungsrisiken beinhalten“.

Also – wir bleiben achtsam, respektvoll und fordern jedes Jahr die Einhaltung, die Weiterentwicklung und die Aktivierung des Rechts. Überall.

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DIE LINKE. Osterholz
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