15. März 2009

Sortierst du noch oder kompostierst du schon?

Eine neue Müllverordnung samt neuem Gebührensystem wird uns ab 1. Januar 2010 in eine neue Müllrealität versetzen.

Worum geht es?

Organische Abfälle im Restmüll stellen ein Problem und eine Ressource dar. Deswegen trennen die Entsorger nach Anlieferung des Mülls die organischen Abfälle (Biomüll) von den anderen Stoffen des Restmülls.

Zum Einen, um die erheblichen Probleme von organischem Abfall auf den Deponien zu vermeiden – weil Biomüll ungeeignet für die Verbrennungsanlagen ist – und zum anderen, weil Biomüll eine Ressource ist, mit der sich Energie gewinnen lässt. Auch das Restprodukt, der Kompost, lässt sich weiterverwenden. Mit beiden Produkten lassen sich Erlöse erzielen.

Doch die nachträgliche Sortierung ist aufwändig und teuer. Der Müllverursacher soll deswegen selbst eine Sortierung durchführen, dort wo er anfällt, im Haushalt.

Sortiert wird nun Restmüll, Biomüll, Pappe, Papier und Material mit dem grünen Punkt (gelber Sack). Und genau so viele Tonnen kann ich mir auf das Grundstück stellen, wenn ich will.

Wenn ich nicht will, hat mein Entsorger schon mal für mich entschieden: Ich bekomme eine Restmülltonne und eine Biomülltonne.

Das ist ökologisch sinnvoll und günstig für den Müllentsorger. Ich sortiere, der Entsorger bekommt schön sortierten Biomüll und verwendet ihn ohne aufwändige mechanische (Sortier-)Bearbeitung weiter, erzeugt damit Energie und Kompost und hat davon zusätzliche Erlöse.

Das führt jedoch im Landkreis Osterholz nicht zu niedrigeren Abfallgebühren, sondern zu höheren!

Wer verdient denn nun an dieser Sache? Der Verbraucher offenbar nicht.

Und der Verbraucher wird noch etwas anderes erleben:

Es wird peinlichst auf richtige Befüllung geachtet. Der Entsorger will den Biomüll direkt in die Verwertung bringen, deshalb muss die Qualität stimmen. Nicht organisch abbaubare Stoffe stören den Prozess erheblich und der Entsorger wird mit Kontrollen reagieren.

Das sieht zum Beispiel so (eigene Erfahrung aus Bremen):

Kontrolleure kommen im Team, ausgerüstet mit Handschuhen und Zange und prüfen die an die Straße gestellte Biomülltonne auf richtige Befüllung kurz bevor der Müllwagen kommt. Stellen sie fest, dass nicht nur kompostierbare Abfälle drin sind, kleben sie einen kleinen Zettel an die Tonne mit der Erklärung, warum die Biotonne nicht geleert worden ist. (Ob diese Tätigkeit im Rahmen der 51-prozentigen Beteiligung des Landkreises am Entsorger über 1 Euro Jobber organisiert wird bleibt abzuwarten.)

Nach einem solchen Fall muss man natürlich den Inhalt der Tonne neu sortieren und für die Abfuhr (in 14 Tagen) vorbereiten.

Ich hole mir eine Plane, Handschuhe, verteile den Inhalt der Biomülltonne samt bereits entstandenem Leben auf der Plane und sortiere gemäß Verordnung neu.

Dem kann ich natürlich mit Eigenkompostierung begegnen. Vielleicht ist dies der Grund für die große Zahl von Lilienthalern, die einen Antrag auf Eigenkompostierung gestellt haben.

Eigenkompostierung als Lösung?

Wer die neue Verordnung aufmerksam gelesen hat wird feststellen, dass auch gekochte Essensreste organische Stoffe zur Kompostierung sind. Auf diese Art von Biomüll wird in der Infobroschüre des Entsorgers leider nicht eingegangen. Nicht ohne Grund, denn hier entstehen die eigentlichen Probleme mit Ratten und möglicherweise mit den Nachbarn.

Bemerkenswert finde auch die Organisation von Befreiungsanträgen. Wenn ich KEINE Biotonne haben will, hätte ich das mit einem „Antrag auf Befreiung von der Benutzungspflicht der Biotonne“

melden müssen. Den Antrag gibt's bei der Gemeinde, im Kreishaus, in einer Sparkassen- oder Volksbank-Geschäftsstelle oder im Entsorgungszentrum Pennigbüttel. Normalerweise geht es andersrum: Ich bestelle und bekomme das, was ich bestellt habe.

Damit ich richtig verstanden werde: Wir werden in Zukunft unsere biologischen Ressourcen anders nutzen müssen, wenn wir eine lebenswerte Umwelt erhalten wollen. Das gilt auch für den Umgang mit den Abfällen im Haushalt.

Die ASO ist mehrheitlich im Besitz des Landkreises. Der Weg der ASO zur Mülltrennung beim Verursacher ist richtig und der Bürger, der diesen Weg mitgehen will, sollte belohnt werden.

Das könnte so aussehen:

Wahlmöglichkeit bei Entsorgung von Biomüll über die Restmülltonne, Eigenkompostierung oder Biomülltonne.

Ein sozial gerechtes Verursacherprinzip muss her.

Müllvermeidung auch durch Eigenkompostierung muss belohnt werden.

Das System von Grundgebühren muss überdacht werden.

Die Leistungen der Bürger bei der Abfalltrennung sind zukunftorientiert und schaffen Rohstoffe. Die Bereitstellung dieser Rohstoffe muss honoriert werden.

Kostenlose Biomülltonne.

Robin Röse, Lilienthal