31. Juli 2009 22:41 Alter: 3 yrs

Altersarmut

Altersarmut ist bis heute weitgehend kein Thema. Dies wird sich in Zukunft jedoch ändern, denn die Agenda 2010 der ehemaligen SPD-Grünen-Bundesregierung schafft viele schlecht bezahlte Jobs. Und nicht nur der Lohn ist schlecht, auch für die Rente kommt bei diesen Mini- und Midi-Jobs dabei nichts heraus.

Deutschland hat ein umfassendes Rentensystem. Für Rentnerinnen und Rentner bedeutete dies bisher, dass sie nach jahrzehntelanger Arbeit den Lebensabend mehr oder weniger genießen konnten. Auch deshalb ist Altersarmut bis heute weitgehend kein Thema. Dies wird sich in Zukunft jedoch ändern, denn die Agenda 2010 der ehemaligen rot-grünen Bundesregierung schafft viele schlecht bezahlte Jobs. Und nicht nur der Lohn ist schlecht, auch für die Rente kommt bei diesen Mini- und Midi-Jobs dabei nichts heraus.

Und selbst wer heute eine reguläre Vollzeitstelle hat, muss bereits heute 28 Jahre arbeiten, um eine Rente von über 800 Euro, dem Grundsicherungsniveau, zu erhalten. Nach der Rentenreform 2007 muss ein Durchschnittsverdiener sogar 34 Jahre lang in die Rentenkasse einzahlen, um wenigstens das Grundsicherungsniveau zu erreichen.

Die Eckrente (45 Jahre Beiträge zum Durchschnittsverdienst) liegt dann nur noch ein Viertel über der Grundsicherung, die Durchschnittsrente könnte schon 2022 unter das Grundsicherungsniveau sinken. Das bedeutet, dass Millionen Menschen ohne private Vorsorge im Alter auf staatliche Hilfe angewiesen sein werden.

Wenn viele Menschen auch bei langer Versicherungszeit keine Rente mehr erreichen, die deutlich über dem Grundsicherungsniveau liegt, zerstört dies die Legitimation der gesetzlichen Rente als öffentlichem Pflichtversicherungssystem. Interessierte Akteure würden dies zum Anlass nehmen, das von Beschäftigten und Unternehmen gemeinsam finanzierte Beitragssystem gänzlich zu schleifen und die Alterssicherung dem Einzelnen und dem Risiko der Märkte zu überantworten. Soweit darf es nicht kommen.

  • Wir brauchen eine gesetzliche Rente, die langjährigen BeitragszahlerInnen eine Rente deutlich über dem Niveau der Grundsicherung bietet.
  • Die in den vergangenen Jahren eingeführten Kürzungsfaktoren sollen aus der Rentenformel gestrichen werden. Es muss wieder ein bestimmtes Sicherungsniveau, wie die früheren 70 Prozent des durchschnittlichen Nettoverdienstes als Ziel gelten.
  • Die Beitragssatzhöhe muss sich wieder an dem angestrebten Leistungsniveau orientieren.
  • Frauen, die besonders häufig von Altersarmut betroffen sind, muss der Aufbau einer ausreichenden eigenständigen Alterssicherung ermöglicht werden.
  • Damit Phasen der Erwerbslosigkeit oder Kinderbetreuung und niedrige Löhne nicht in die Altersarmut führen, wollen wir den Solidarausgleich in der gesetzlichen Rente stärken.
  • Die Grundsicherung im Alter muss erhöht werden. Niemand soll im Alter weniger als 800 Euro aus der gesetzlichen Rente oder der Grundsicherung haben.
  • Die Basis für eine auskömmliche Rente auch in der Zukunft ist zudem eine Politik für gute Arbeit und gute Löhne. Armutslöhne führen auch zu Armutsrenten. Dumpinglöhnen muss deshalb durch einen gesetzlichen Mindestlohn ein Riegel vorgeschoben werden, prekäre Jobs müssen in reguläre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung überführt werden.